Modell zum Entwickeln des eigenen Führungsstils

Mit Empowerlead einen eigenen Führungsstil entwickeln © Janssen & Team 

Welcher Führungsstil ist der beste?

Das Institut für Wirtschaft schreibt über Führungsstile in einer seiner Analysen aus 2020, wobei sie mehrere Quellen zitieren: In der Praxis spannt sich das Feld der Führungsstile von hierarchischer Führung bis hin zu voller Partizipation bzw. Selbstführung. Studien deuten darauf hin, dass in den USA und Deutschland die transformationale Führung als besonders wirksam gilt, dicht gefolgt von partizipativer Führung, die in zunehmend digitalen, komplexen und internationalen Arbeitswelten überzeugt. Ergänzt wird dieses Bild durch ethische Führung, die Integrität, Fairness und Verantwortung betont – gerade mit Blick auf Digitalisierung und KI. Transformational führende Personen inspirieren durch Vision, Vorbild, individuelle Förderung und intellektuelle Stimulierung. Partizipative Führung setzt auf Wertschätzung, Vertrauen und echte Mitentscheidung; sie steigert nachweislich Zufriedenheit, Leistungsbereitschaft und Performance. Ethische Führung schließlich versteht sich als wertegeleitete Rahmung, die ethisches Verhalten fördert und einfordert; sie kann direktiv, authentisch oder partizipativ ausgestaltet sein – entscheidend ist die klare moralische Haltung.

Aber erstmal ganz von vorn: Was sind überhaupt Führungsstile?

Führungsstil Deifinition

Ein Führungsstil beschreibt die Art und Weise, in der jemand seine Führungsaufgabe erfüllt (besonders im Umgang mit Untergebenen), also die Art und Weise, wie Führungskräfte Entscheidungen treffen, kommunizieren und mit Mitarbeitenden zusammenarbeiten – vom autoritär anweisenden bis zum kooperativ-partizipativen Vorgehen.

Wie sind Führungsstile einzuordnen?

Im Empowerlead Programm ordnen wir das Wissen über die verschiedenen Führungsstile als Bestandteil des individuellen Führungsverständnisses der Führungskraft ein. Zusammen mit dem Führungsansatz und der Haltung prägt das Wissen und die situative und individuelle Auswahl von verschiedenen Führungsstilen die Verhaltensweisen der Führungskraft im Führungsalltag.

Führungsstile Arten

Im Folgenden stellen wir einige gängige Arten bzw. Einordnungslogiken vor, anhand derer man Führungsstile systematisch unterscheiden kann. Wir erläutern jeweils kurz: Worum geht’s? Wie liest man das Modell? Und: Wie kann man es in der Praxis sinnvoll nutzen?

1) Beteiligungsgrad an Entscheidungen (Tannenbaum/Schmidt-Kontinuum)

Das Kontinuum ordnet Führungsstile danach, wie stark Mitarbeitende in Entscheidungen einbezogen werden – von „sagt an“ (autoritär) bis „entscheidet mit“ (demokratisch/partizipativ). Links dominiert Top-down: Die Führungskraft weist an und übernimmt die volle Verantwortung. In der Mitte steht das konsultativ-kooperative Vorgehen: Die Führungskraft holt Meinungen ein und entscheidet anschließend. Rechts wird es partizipativ: Die Gruppe entscheidet innerhalb klar definierter Leitplanken.

In der Praxis hilft das Modell, den passenden Beteiligungsgrad bewusst zu wählen: Unter Zeitdruck lohnt sich eher die linke Seite, bei komplexen Wissensfragen oder hoher Betroffenheit eher die rechte. Gleichzeitig klärt es Erwartungen: „Wozu brauche ich euch – Meinung, Mitentscheidung oder Entscheidung?“ Der wichtigste Tipp: Richte den Beteiligungsgrad an Haltung und Werten, an der Reife deines Teams und am konkreten Kontext aus – statt aus Gewohnheit immer gleich zu führen.

2) Aufgaben- vs. Menschenorientierung (Blake & Mouton – Managerial Grid)

Das Managerial Grid misst auf zwei Achsen, wie stark du Ergebnis und Struktur betonst (Task) und wie stark du Menschen und Beziehungen betonst (People). Am unteren linken Rand (1,1) liegt ein verwaltender Minimalstil. Oben links (9,1) wird autoritär und stark aufgabenorientiert geführt. Unten rechts (1,9) steht ein kümmernder Stil mit wenig Ergebnisdruck. Das angestrebte Feld ist oben rechts (9,9): der Teamstil, der klare Ziele mit starker Beziehungsarbeit verbindet.

Nutze das Grid zur Selbstdiagnose: Wo landest du spontan – und wo solltest du balancieren, etwa wenn das Team skaliert? So wird sichtbar, ob du Struktur nachschärfen oder Beziehungsarbeit vertiefen solltest. Empowerlead-Brücke: Dein Punkt im Grid spiegelt Verhaltenspräferenzen und Kompetenzen wider – beides Bausteine deines persönlichen Führungsmodells, das wir im Programm gezielt stärken.

3) Reifegrad des Mitarbeitenden/Teams (Hersey/Blanchard – Situative Führung)

Situative Führung richtet den Stil an Kompetenz und Commitment der Geführten aus. Bei S1 („Anleiten“) ist die Reife niedrig: Du führst hoch direktiv und wenig unterstützend. S2 („Überzeugen/Coachen“) kombiniert klare Richtung mit aktiver Unterstützung. In S3 („Beteiligen“) ist die Kompetenz grundsätzlich da, die Motivation schwankt – hier braucht es viel Unterstützung und weniger Direktivität. S4 („Delegieren“) setzt auf hohe Reife: Du führst weder stark direktiv noch stark unterstützend, sondern vertraust Verantwortung zu.

Der Charme des Modells liegt in seiner Alltagstauglichkeit: Die gleiche Person kann je nach Aufgabe einen anderen Stil brauchen – Onboarding einer neuen Tätigkeit ist S1/S2, routinierte Kernaufgabe eher S4. Empowerlead-Brücke: Das passt zu unserer Idee eines Repertoires statt eines fixen Stils – abgestützt auf dein Führungsverständnis und deine Fähigkeiten, die du kontextbewusst einsetzt.

5) Autoritätstypen & Organisationsform (Max Weber – Bürokratie)

Weber unterscheidet legitime Herrschaft in traditionelle, charismatische und rational-legale Formen und beschreibt die Bürokratie als effiziente, regelgebundene Organisationsform. In rational-legalen Systemen sorgen Regeln, Ämter und klare Zuständigkeiten für Verlässlichkeit und Vorhersehbarkeit; der Führungsstil ist folgerichtig oft prozess- und regelorientiert.

Das ist besonders sinnvoll in hoch modularen, stark regulierten Umfeldern – etwa dort, wo Compliance, Sicherheit oder Qualitätssicherung oberste Priorität haben. Zugleich gilt: Stabilität geht vor Agilität, muss aber nicht deren Gegner sein. Häufig bewährt sich die bewusste Kombination – der „Core“ bleibt stabil, Innovationseinheiten arbeiten agil. Empowerlead-Brücke: Dein Stil muss zum System passen – und umgekehrt. Diese Passung reflektieren wir, wenn wir von Modellen in die Umsetzung übergehen.

6) Transformational vs. Transaktional (moderne Paradigmen)

Transaktionale Führung schafft Klarheit: Ziele, Leistung und Gegenleistungen stehen im Mittelpunkt und sichern Betrieb, Qualität und Verlässlichkeit. Transformational führt über Sinn, Vorbild, Inspiration und Entwicklung – sie stiftet Energie, mobilisiert Potenziale und treibt Wandel.

Beides ist wichtig und wirkt am stärksten im Zusammenspiel. Frag dich im Tagesgeschäft: „Welche Anteile brauche ich heute – mehr Struktur oder mehr Sinn/Innovation?“ So entsteht ein praxistaugliches Dualsystem, das sowohl Routine stabil hält als auch Veränderung ermöglicht. Empowerlead-Brücke: Damit spiegelt ihr euer Verständnis, dass Kompetenzen und Haltung zusammenwirken – und im Alltag konkret werden.

Am Ende zeigen die sechs Perspektiven vor allem eines: Wirksam führen heißt, bewusst zu wählen statt automatisch zu handeln. Wähle den passenden Beteiligungsgrad, balanciere Ergebnis- und Beziehungsorientierung, passe deinen Stil an Reifegrad und Aufgabe an, beachte die Logik des Systems (z. B. Bürokratie vs. Innovation) und kombiniere transaktionale Klarheit mit transformationaler Energie. Leitplanke sind dabei immer deine Haltung und Werte – ergänzt um ein wachsendes Repertoire an Verhaltensoptionen. Praktisch heißt das: Stelle dir im Alltag die fünf Fragen „Welcher Beteiligungsgrad? Wo liege ich im Grid? Welcher Reifegrad? Welches System prägt? Welche Anteile Struktur vs. Sinn?“ So wird Führung konsequent kontextsensibel, anschlussfähig für dein Team – und Schritt für Schritt wirksamer.

Führungsstile im Überblick – anhand von Basis & Menschenbild

Kooperativer Führungsstil

  • Grundelement/Kernaussage: Gemeinsame Zielklärung, geteilte Verantwortung, transparente Kommunikation, viel Feedback und Coaching.
  • Menschenbild & Haltung: Vertrauen in Kompetenz und Verantwortungsbereitschaft der Mitarbeitenden (Augenhöhe, „Theory Y“); Empowerment statt Kontrolle.

Laissez-faire Führungsstil

  • Basis: Sehr hohe Autonomie, minimale Steuerung; Eingreifen nur bei Abweichungen („management by exception“).
  • Menschenbild & Haltung: Annahme starker Selbststeuerung und intrinsischer Motivation; Haltung des Nicht-Einmischens und Vertrauens – mit Risiko der Orientierungslosigkeit, wenn Ziele/Standards unklar sind.

Autoritärer Führungsstil

  • Basis: Klare Ansagen, Top-down-Entscheidungen, strikte Regeln und enges Controlling; hohe Geschwindigkeit und Einheitlichkeit.
  • Menschenbild & Haltung: Eher defizitorientiert („Theory X“: Menschen brauchen Druck/Lenkung); Pflicht- und Befehlsethik, paternalistische Schutz-/Gehorsamslogik.

Autokratischer Führungsstil

  • Basis: Macht- und Entscheidungszentralisierung bei der Führungsperson; geringe Transparenz und Mitsprache.
  • Menschenbild & Haltung: Hierarchie- und Loyalitätsfokus; Sicherheits-/Kontrollbedürfnis, geringe Partizipationsbereitschaft.

Bürokratischer Führungsstil

  • Basis: Regelkonformität, definierte Rollen, Standardisierung, Dokumentation und klare Dienstwege; hohe Verlässlichkeit und Gleichbehandlung.
  • Menschenbild & Haltung: Ordnung und Fairness durch Regeln; Stabilitäts- und Rechtskonformitätsorientierung, Präferenz für Planbarkeit über Kreativität.

Karitativer (dienender/altruistischer) Führungsstil oder auch Servant Leadership

  • Basis: Fürsorge, Unterstützung und Entwicklung der Mitarbeitenden stehen im Zentrum; Sinn- und Gemeinschaftsorientierung.
  • Menschenbild & Haltung: Jeder Mensch ist wertvoll und entwickelbar; Demut, Empathie, Ethik der Fürsorge – ohne Bevormundung.

Demokratischer Führungsstil

  • Basis: Diskurs und – wo passend – Abstimmungen/Mehrheitsentscheide; Moderation von Interessen, Minderheitenschutz.
  • Menschenbild & Haltung: Glaube an kollektive Weisheit und Fairness; prozess- und werteorientierte Haltung, Geduld für deliberative Entscheidungen.

Agiler Führungsstil

  • Basis: Kurze Lernzyklen, Kundennutzen, cross-funktionale Teams, Selbstorganisation, iterative Entscheidungen; psychologische Sicherheit als Basis.
  • Menschenbild & Haltung: Menschen sind lernfähig und selbstorganisationsfähig; Servant-Leadership-Haltung, Fehler als Lernquelle, Offenheit und Vertrauen.

Partizipativer Führungsstil

  • Basis: Systematische Einbindung in Entscheidungen (Konsultation, Co-Creation, Delegation); geteilte Verantwortung und Transparenz.
  • Menschenbild & Haltung: Zutrauen in Fachwissen und Verantwortungswillen des Teams; Inklusion, Augenhöhe, Respekt vor Pluralität.

Situativer Führungsstil

  • Basis: Diagnose von Aufgaben- und Reifegrad; Stil flexibel anpassen.
  • Menschenbild & Haltung: Entwicklungs- und Lernoptimismus; Pragmatismus und Flexibilität statt Dogma („Was braucht die Situation und das Team heute?“).

Was ist nun der beste Führungsstil?

Die kurze Antwort: It depends. Gute Führung passt Stil und Verhalten an Ziel, Team und Situation an und fußt zugleich auf deiner Haltung, deinen Werten, deiner Persönlichkeit und deinen Kompetenzen. Genau diesen Dreiklang zeigt auch die hier verwendete Grafik aus unserem Empowerlead Programm: Führungsverständnis × Persönlichkeit × Kompetenz ⇒ „Mein Führungsstil“) – und das ist der Kern von Empowerlead: Führung und der persönliche Führungsstil sind kein starres Rezept, sondern ein individueller, situativer Ansatz

Wie finde ich meinen persönlichen Führungsstil?

Statt nach „dem besten Stil“ zu suchen oder einen Führungsstil-Test / Selbsttest als alleinige Lösung zu sehen, setzt unser Empowerlead Porgramm tiefer an:

  1. Führungsverständnis klären (Ansatz, Haltung, Werte, bevorzugte Stile).
  2. Persönlichkeit reflektieren (Charakterfacetten, Motive, Kompetenzen; z. B. LINC-Profil).
  3. Führungskompetenz & Fähigkeiten ausbauen (Methoden, Tools, Verhalten).

Daraus entsteht ein individuelles Führungsmodell – und schließlich dein beschreibbarer Führungsstil („Mein Führungsstil“), der zu dirdeinem Team und eurer Situation passt. In den Empowerlead-Modulen vertiefst du Selbstführung, Tools für Mitarbeiterführung sowie die Führung der Organisation – praxisnah mit Workshops und Coaching. 

Fazit

Der beste Führungsstil ist kontextsensibel. Nutze Modelle als Landkarten, nicht als Vorschrift. Entwickle ein bewusstes Repertoire – und wähle situativ den Stil, der Menschen und Aufgabe am besten dient. Das ist modernes, wirksames Leadership.

Wenn Sie jetzt das Bedürfnis haben, Ihren eigenen Führungsstil zu reflektieren und zu schärfen, dann melden Sie sich doch gleich hier für ein Beratungsgespräch zu unserem Empowerlead Programm für Führungskräfte an.